
Ingoma bedeutet Trommel aber auch Königreich und sind verbunden mit Rythmen aus Burundi. Sie sind nicht nur eine Lebensart der Trommler, sie sind Teil königlicher Trommelzeremonien (Mwami) des Landes und haben einen rituellen Charakter. Zentrales Stück dieser Zeremonie sind die Trommeln, die in Afrika zu den ältesten und vielseitigsten Instrumenten des Kontinents gehören.
Die Trommeln sind in Afrika seit jahrtausend ein Kommunikationsmittel, rituelles Instrument und haben eine tief verwurzelte historische Bedeutung in der afrikanischen Kultur von Burundi. Die Trommel dient als soziales Bindeglied, ihre Präsenz bietet den Menschen Identität, Tradition und symbolische Kraft.
Die Meistertrommler von Burundi (Maitres Tambours du Burundi) begeistern mit landestypischen Rythmen, dazu kommt man zusammen, spielt, tanzt und singt die Lieder der Heimat. Mit diesem Ritual will man die Ahnen erwecken und böse Geister vertreiben. Im Jahr 2012 wurde der rituelle „Tanz der königlichen Trommel“ als fundamenter Teil des burundischen Erbes und seiner Identität von der UNESCO in das immaterille Kulturerbe der Menscheit aufgenommen.
Die Trommeln, Karyenda genannt, gibt es unterschiedlichen Größen, die jede auch ihren eigenen Ton repräsentiert. In ungerader Zahl tritt die Trommelgruppe zu ihrem Ritual auf und bieten ein Klangerlebnis aus ihrer Heimat, gepaart mit akrobatischen Choreographien. Die Trommeln sind in Burundi heilig und repräsentieren Mwami, Fruchtbarkeit und Regeneration. Die zentrale Trommel Inkiranya steht beim Spiel vorn in der Mitte und wird abwechselnd von den Trommlern des Ensembles gespielt, wobei die anderen mit den Amashako-Trommeln den kontinuierlichen Beat liefern und die Ibishikiso-Trommeln dem festgelegten Rythmus der Inkiranya folgen.
Das Ritual folgt seit Jahrhunderten immer der Tradition. Zu Beginn und Ende des Rituals werden die schweren Trommeln auf dem Kopf tragend von den Trommlern balanciert, bespielt und besungen. Dem folgen zusätzliche Tänzer, die mit Zierspeere und Schilde die Prozession mit ihrem Tanz begleiten. Bevor die Stücke gespielt werden beginnen die Batimbos (Trommler) mit rituellen Rufen. Der Leittrommler ruft „Ayeeee, Ayeee“ während er den Ton mit seiner Trommel angibt. Die übrigen bearbeiten ihre Trommeln im Hintergrund mit einer derarten Wucht, sie schlagen und hämmern auf ihre Trommeln, als ob sie den Baum für ihre Trommeln fällen.
Die akrobatischen Bewegungen während des Spiels besitzen jede für sich eine eigene Aussage. So bedeutet die kreisende Bewegung um den Kopf „Sterben soll ich, wenn ich mein Land verrate“. Überwiegend werden Szenen aus dem täglichen Leben dargestellt, die schwere Arbeit auf dem Lande, Geburt, Hochzeit und Tod sind Darstellungen, die die Einheimischen aus ihrem Alltag in der Performance wieder erkennen. Auch der Ruf nach Versöhnung der verschiedenen Ethnien des Landes findet sich in der Darstellung der Trommler wieder.
Die Trommel (Inda y’igoma, deutsch Trommelbauch) von Burundi wird stets traditionell aus einem bestimmten Baum (Umuvugangoma) hergestellt Dieser wächst nur im Landesinneren auf dem Hügel der „Heiligen Trommeln“. Frisch gefällt wir der einige Tage getrocknet, von der Rinde befreit und nach uraltem Bruch von innen (Munda y igoma, deutsch Im Bauch der Trommel) ausgehöhlt. Danach wird oben drauf eine nasse Kuhhaut (Icahi, deutsch Wiege) mit Holzdübeln (Amabere, deutsch Busen) fixiert. Nun trocknet das Holz der Trommel und die Kuhhaut aus. An der Unterseite der Trommel befindet sich eine Art Fuß (Umukondo, deutsch Nabel der Trommel).
Einer Sage nach entstanden die „Heiligen Trommeln“ von Burundi während der Kolonialzeit als der König gestürzt wurde. Ein mutiger Bauer versteckte den König in Gishora und erhielt zum Dank zwei Kühe. Sie hießen „Ruteme“ und Muringwa“. Sie wurden von dem Bauer geschlachtet, dessen Fleisch verteilt und aus der Haut die ersten beiden heiligen Trommeln bezogen. Mit Rückkehr des Königs auf den Thron begann die Tradition der Trommler.